Objekt des Monats Juli 2022

Großer Fayenceteller von Charlotte Hartmann
Steingutfabriken Velten-Vordamm
heller Scherben, eingedreht

Dekor: Fayenceglasur, polychrom, handgemalt von Charlotte Hartmann

Maße:  H 4,1 cm | Ø 34 cm 

Historische Sammlung („Altbestand“) des Veltener Ofen- und Keramikmuseums | Inventarnummer: 006/0087

 

Nicht ein Element auf diesem Teller wirkt mechanisch. Das Dekor hält das Auge gefangen und vermittelt ungewöhnliche Leichtigkeit.

Die Künstlerin Charlotte Hartmann war erste Leiterin der Malabteilung im Veltener Schwesternwerk der Steingutfabriken Hermann Harkorts, welches in den 1920er Jahren Weltruhm erlangte für hervorragendes, für den Gebrauch bestimmtes Steingutgeschirr mit künstlerischem Anspruch.

Hartmann zeichnete mit ihren Dekoren maßgeblich verantwortlich für diesen Erfolg und für eine vielbeachtete Neubelebung des zeitweise doch stiefmütterlich behandelten Materials Steingut, für welches der vergleichsweise niedrig gebrannte, poröse Scherben charakteristisch ist. Als Gebrauchsgeschirr bedarf dieser folglich einer Glasur, eröffnet aber auch vielfältigen Spielraum für eine anspruchsvolle, künstlerische Gestaltung. Diesen Spielraum auszuschöpfen und mit Leben zu füllen, war der wegweisende Beitrag Hartmanns.

Ihre erzählerischen, fantasievollen, figürlichen Steingutdekore fanden in der keramischen Fachwelt großen Anklang. „Charlotte Hartmann hat den Strom der ganzen Erzeugnisse eines industriellen Betriebs in ein künstlerisches Bett gelenkt,“ resümierte 1922 das Fachblatt Die Kachel- und Töpferkunst. Ihr später „Paradiesgartendekor“ getauftes Dekor 29, dem sich unsere aktuelle Sonderausstellung widmet, gehörte sicherlich zu den herausragendsten, aufwendigsten, ja auch teuersten Beispielen.

Der von der Künstlerin selbst frei mit schwungvollem Strich von Hand bemalte Teller verrät im Motiv seine Verwandtschaft zum „Paradiesgartendekor“: An Flamingos erinnernde Vögel und florale Elemente sind in nicht ganz perfekter Symmetrie auf dem Tellerspiegel angeordnet. In Fayencetechnik ausgeführt wirken die Elemente allerdings auf blitzweißem Untergrund beinahe wie eine Aquarellskizze. Die aktuelle Ausstellung zeigt zwei weitere, ähnliche von Charlotte Hartmann in Fayence bemalte Teller.