Objekt des Monats Mai 2026
zwei Kachelblätter eines Fayenceofens
18. Jahrhundert
Maße: jeweils H 21 cm, B 17 cm, T 1 cm
Material und Technik: Ton, roter Scherben, handgeformt, zweifarbige blaugrüne Handmalerei, Fayence
Ankauf durch unseren Förderverein für die Sammlung im Mai 2026
Raus aus den Wohnungen! Springt auf von der Ofenbank! Der nahende Sommer lockt zu gemeinsamen Spaziergängen! Diesen Wandel der Jahreszeiten, den Stimmungswechsel und die aufflammende Neugierde auf die Natur – das thematisieren die Motive dieser zwei Kacheln. Auch knapp zweieinhalb Jahrhunderte später verstehen wir diese Szenen.
Die zwei kunstvollen Kachelblätter ergänzen unser Kachelarchiv und setzen einen zeitlichen wie kunsthistorischen Akzent, denn sie spannen den Bogen zurück in das 18. Jahrhundert und blicken im Ausschnitt auf die Verbreitung der Fayencetechnik in der Herstellung sowie Gestaltung von Kachelöfen dieser Zeit. Sie sind damit auch ein Pendant zum blauweißen Stockelsdorfer Aufsatzofen, welcher prominent unsere Ofengalerie schmückt und ein Highlight der Dauerausstellung im Dachgeschoss ist.
Zugleich wirken sie mit der feinen Malerei und dem als Relief ausgeführten Kartuschenrahmen aber eigenständig. Die Motive und die Gestaltung sind den Kacheln eines Ofens aus Danzig von 1765 äußerst ähnlich, welchen der Kunsthändler und Kunsthistoriker Konrad Strauss Ende der 1960er Jahre beschrieb. Die häufig blauweißen Fayenceöfen des Rokokos übernahmen solche Szenen mit Paaren in Landschaften von Malern und Grafikern der Zeit. Die Art der Rahmung ist dafür ebenfalls typisch. Die niederländischen wie norddeutschen Kacheltöpfer und Keramikmaler beeinflussten die Werkstätten des Baltikums. Zugleich wanderten die Handwerker und Künstler zwischen den Ländern, was die Verbreitung stilistischer Charakteristika wohl befördert hat. Unser Kachelpaar des Monats sticht heraus durch die reliefierte Rahmung und durch die Farbkombination von Blau (kobaltbasiert) für scharfe, präzise Linien und Grün (kupferbasiert) für Flächen und Elemente der Landschaft.
Die Fayence arbeitet mit einer Zinnoxid und Blei enthaltenden Glasur, welche den porösen Scherben versiegelt und optisch den Eindruck von Porzellan erzeugt. In dieser jahrtausendealten Technik verschmilzt die Malerei mit dem Glasurgrund, kann so feine, sanfte Kontraste erzeugen und bleibt farbbeständig. Im 18. Jahrhundert findet die Fayence für Kachelöfen zunehmend Verbreitung.
Auffällig ist, dass bei den Kacheln nicht nur der Rumpf auf der Rückseite offenbar sorgfältig entfernt wurde. Zudem ist die Oberfläche nicht glatt, wie man es bei einer Fayence erwartet, sondern rau wie Schleifpapier. Vermutlich wurde diese durch starke Hitzeeinwirkungen, vielleicht durch einen späteren Brand oder bereits durch Fehler im Glasurbrand verändert.
Lassen Sie sich von dem Rokoko-Paar inspirieren, gehen Sie raus in die Natur. Und besuchen Sie bei einem Spaziergang auch unsere Museen Velten mit solchen und anderen keramischen Schätzen.



