Objekt des Monats Juni 2026
Wandvase der Steingutfabriken Velten Vordamm von Louise Harkort
1920er Jahre
Maße: B 20 cm; H 23 cm; T (Öffnung) 9 cm
Material und Technik: Ton, heller Scherben, handgeformt, mehrfarbig bemalt: weiß, blau und flieder, Fayence
Schenkung von Udo Harkort für die Sammlung des Fördervereins im Februar 2026
Unser Objekt des Monats Juni verweist auf ein herausragendes Kapitel Veltener Geschichte und eben auch der märkischen Keramikgeschichte. Aus heutiger Sicht ein eher überraschendes Objekt, ist die Wandvase für das frühe 20. Jahrhundert ein nicht ungewöhnlicher Gegenstand der Pflanz- und Gartenkeramik. Louise Harkort verbirgt sich hinter dem Kürzel „LH“ auf der Rückseite. Sie war auch die Ehefrau des Betriebsleiters. Ursprünglich in New York geboren, fertigte sie zwischen 1924 und 1931 Serienstücke und Einzelfayencen in den Steingutfabriken Velten-Vordamm.
Diese zählten in den 1920er zu den wichtigsten und renommiertesten Betrieben für Gebrauchskeramik mit künstlerischem Anspruch. Hermann Harkort, der Eigentümer und Leiter, verfolgte in seinem Veltener Werk in der Nähe des Hafengeländes ein ehrgeiziges Programm, das sich an den Ansprüchen des Deutschen Werkbundes und des Bauhauses orientierte. Zu den Künstlern, Handwerkern und prägenden Denkern dieser Bewegungen pflegte er ebenfalls enge Kontakte. Den Veltener Betrieb der Steingutfabriken Velten-Vordamm etablierte er als eine Adresse für die Umsetzung anspruchsvoller, zeitgemäßer und materialgerechter Entwürfe in der Keramik und zwar im industriellen Kontext.
So waren auch die Bauhauskeramikmeister Theodor Bogler und in Folge Werner Burri als Leiter der Formenabteilung in dem märkischen Ort tätig und prägten mit ihren Entwürfen die Serienproduktion. Die Dekorpalette prägte zunächst vor allem die Künstlerin Charlotte Hartmann, die hier Keramik als Objekt für ihre Ideen entdeckte und sich für das Material begeisterte. Ihr folgten Elisabeth Dörr und dann 1927 Hedwig Bollhagen als Leiterin der Malabteilung. In jeglicher Hinsicht wird klar: Velten wurde, eben auch durch Betriebe wie Velten-Vordamm, zu einem Begegnungsort und einer Lebensstation für die herausragenden Köpfe der Keramikgeschichte zumindest des frühen 20. Jahrhunderts.
Neben der Serienproduktion setzte Hermann Harkort aber auch auf sogenannte Einzelfayencen, die handgefertigt wurden und jeweils auch das Zeichen des entwerfenden beziehungsweise ausführenden Künstlers – in Kombination mit der „Lilie“ als Werkssymbol – trugen. Diese finden sich in eigenen Musterbüchern als Kleinserienprodukte neben den Serien für europäische und außereuropäische Märkte. Die Wandvasen von Louise Harkort gehören unbedingt dazu. Es gab diese laut Musterbuch in leicht unterschiedlichen Formen. Gemeinsam war allen, dass sie handgeformt wurden. Das Händische sieht und spürt man auch heute noch am Objekt. Die Fayence mit ihrer glänzenden Oberfläche verleiht ihm Eleganz, und doch versteckt sie das keramisch Ursprüngliche der Form nicht.



