Objekt des Monats August 2025
Wanderbuch des Schornsteinfegergesellen aus Chemnitz im Königreich Sachsen, 1837-1840
Maße 9,5 cm x 16,5 cm x 1 cm
Material und Technik: 64 Seiten | dreifache Fadenbindung | zwei Kartondeckel
Ankauf durch unseren Förderverein
Ein Stück Lebensgeschichte eines Schornsteinfegergesellen, aber auch Handwerksgeschichte und Sozialgeschichte birgt dieses kleine, von außen zunächst unscheinbare Büchlein des Gesellen im Schornsteinfegerhandwerk Johann Georg Jamille aus der Mitte des 19. Jahrhunderts. Dass auch Schornsteinfeger nach der Lehre als Gesellen auf Wanderschaft gehen konnten und können, ist weniger geläufig. Meist begegnen wir wandernden Zimmerleuten. Doch auch Schornsteinfeger bieten ihre Arbeit auf Wanderschaft an und haben grundsätzlich die Möglichkeit, in anderen Regionen und Betrieben ihr Wissen und Können zu erweitern. Es gibt auch eine ursprüngliche Verbindung zwischen diesem Beruf und dem Wandern, sind doch bereits im Mittelalter italienische Schornsteinfeger nach Deutschland gewandert, um ihre Dienste für Feuersicherheit anzubieten.
Dennoch ist dieses Wanderbuch ein seltenes und faszinierendes Dokument, das einerseits die Wanderroute des Gesellen Jamille verrät, aber andererseits auch Einblick gewährt in die streng reglementierte Freiheit auf der knapp vierjährigen Wanderschaft.
Öffnet man die ersten Seiten, fällt die Ähnlichkeit auf zu einem Ausweisdokument: Persönliche Daten wie Geburtsdatum und identifizierende Körpermerkmale sind aufgelistet, bevor auf vier Seiten die rechtlichen Vorschriften und Verbote für die Wanderschaft ausgeführt sind. Diese Seiten sind vorgedruckt und handschriftlich ausgefüllt.
Den Hauptteil des Buches füllen die handschriftlichen Einträge der einzelnen Stationen, wo Johann Georg Jamille auf seinem Weg tätig war, jeweils mit knappen Bemerkungen der jeweiligen Meister zu seiner Tätigkeit und seinem Betragen – jeweils mit Stempeln der vor Ort zuständigen Ämter. So kann man die Route seiner Wanderschaft nachvollziehen: Chemnitz, Wechselburg, Grimma, Leipzig, Lützen, Frankenhausen, Altenburg, Chemnitz.
Besonders auffällig ist, dass die Innenseiten mit einer durchlaufenden Fadenschlaufe miteinander vernäht sind. Diese ist auf der letzten Seite durch ein rotes Wachssiegel des „Policey Amt zu Chemnitz“ gesichert ist. Damit war es nicht möglich, Seiten oder Eintragungen herauszureißen und unbemerkt zu entfernen.
Dieses historische Dokument ist Teil unserer Sammlung in unserem jüngst im Juli gegründeten Schornsteinfegermuseum. Für das Entziffern und die Transkription der Einträge im Wanderbüchlein danken wir herzlich unserem Fördervereinsmitglied Helmut Plunze.



