Objekt der Monate September und Oktober 2023

polychrom bemalte Teekanne von Elisabeth Dörr aus den Steingutfabriken Velten Vordamm
1924-1927
Maße H 16,5 cm | B 25 cm | Ø 15,5cm
Ton, roter Scherben
gedreht, handbemalt
Steingut, Fayence

Ankauf durch den Förderverein Ofen- und Keramikmuseen Velten e.V. im Januar 2023

Da ist Musike drin! Rhythmus, Bewegung, Farbenfreude, Takt. Die farbigen Rechtecke, Linien und Punkte im Dekor dieser Kanne schöpfen die Möglichkeit der Handmalerei auf Steingut, wie sie typisch war für das kunstfertige Alltagsgeschirr der renommierten Steingutfabriken Velten-Vordamm in den 1920er Jahren unter der Leitung von Hermann Harkort, aus und lösen die geometrische Strenge auf, die so verführerisch nahe liegt bei solchen aus Grundelementen konstruierten Keramikdekoren. Hedwig Bollhagen sollte später bekannt werden für zeitlos elegante, geometrisch akkurate und auf das Wesentliche reduzierte Dekore, das was Harkort einmal als „Strichelchenmanie“ bezeichnete.

Das Dekor dieser Kanne stammt von Elisabeth Dörr, die selbst als Malerin in den Steingutfabriken gearbeitet hatte, bevor sie 1924 die direkte Nachfolge antrat von Charlotte Hartmann als Leiterin der Malabteilung. Hartmann hatte neben vielen beeindruckenden Einzelstücken mit ihren einfallsreichen Dekoren das Fundament gelegt für die Dekorpalette der Serienproduktion und damit den Erfolg der Steingutfabriken Velten-Vordamm.

Dörr führte diese Dekore, soweit wir das an den Objekten der Sammlung ablesen können, weiter und war vom Pinselstrich ihrer direkten Vorgängerin geprägt. Auch sie fertigte aber Einzelstücke für den Katalog der Fayencen, die über die Serienproduktion für jedermann hinaus gefertigt wurden und die erkennbare Pinselmarke aus der „Vordamm-Lilie“ und einem Initialbuchstaben trugen.

Dieser in der Form doch etwas wuchtigen Kanne, die mit ihrem geschwungenen Ausgießer Eleganz signalisiert und ernst genommen werden möchte, verleiht Dörrs Pinselstrich eine nicht zu leugnende Freude und Leichtigkeit. Es wäre spannend, die Farbtöne und unregelmäßigen Abstände zu übersetzen in Töne. Doch auch so offenbart sich dem aufmerksamen Auge eine Melodie dieses Dekors.

Die aus Bad Freienwalde stammende Keramikerin Elisabeth Dörr übernahm die Leitung der Veltener Malereiabteilung von Charlotte Hartmann, 1927 folgte ihr wiederum die 19-jährige Hedwig Bollhagen. In den gut zwei Jahren ihrer Veltener Zeit entwarf Dörr neben über 200 Steingutdekoren auch etliche Dekore für Fayencegeschirr.

 

Die Teekanne gehört zu der wachsenden Sammlung zur regional verankerten Keramiktradition, wozu auch die Steingutfabriken Velten-Vordamm gehörten, die mit ihren Produkten die Keramik und die Tischkultur des frühen 20. Jahrhunderts maßgeblich mitprägten.