Nachruf auf Hermann Steininger
Ein Nachruf auf wHR Hon.-Prof. Dr. Hermann Steininger (1940-2026)
Am 15.1.2026 ist Hermann Steininger, wirklicher Hofrat und Honorarprofessor am Institut für Europäische Ethnologie, im 86. Lebensjahr verstorben. Mit ihm verstarb der letzte der vier Begründer des „Internationalen Hafnerei-Symposion“, kurz IHS genannt, nämlich Paul Stieber, Alfred Höck, Ingolf Bauer und eben Hermann Steininger. Der Ingenieur und Sammler Stieber und diese drei Volkskundler, von denen einzig Hermann Steininger aus Österreich kam und dort wirkte, legten auf einer Berghütte in St. Justina, Osttirol, im Jahre 1968 den Grundstein für eine interdisziplinäre Vereinigung, die bis heute Interessierte an historischer und moderner Keramik zusammenführt. 1983 wurde der Name IHS um die Bezeichnung „Arbeitskreis für Keramikforschung“ ergänzt.
Hermann Steininger hat Volkskunde, Geschichte und Germanistik an der Universität Wien studiert. Mit seiner Dissertation „Die münzdatierte Keramik des Mittelalters und der frühen Neuzeit in Österreich“ schuf er 1964 ein Grundlagenwerk der österreichischen Keramikforschung. War er in seinem Leben und Wirken stark der Volks- und Landeskunde von Ostösterreich verbunden, so führte ihn die Keramikforschung über den Arbeitskreis auf ein internationales Parkett. Durch mehrere Jahre hindurch war er der einzige Keramologe aus Österreich und referierte über Schatzgefäße (sein Dissertationsthema), über keramisches Spielzeug, irdene Sparbüchsen, Hafnermarken u.v.m. Beruflich war Hermann Steininger zuerst am Niederösterreichischen Landesmuseum und dann viele Jahre an der Niederösterreichischen Landesbibliothek tätig, zuletzt als stellvertretender Bibliotheksdirektor. In dieser Funktion leistete er einen wesentlichen Beitrag zur Literaturdokumentation sowie zur nachhaltigen Sicherung volkskundlicher und landeskundlicher Quellen.
Von 1984 bis 2019 war Hermann Steininger Lehrbeauftragter am Institut für Europäische Ethnologie der Universität Wien, wo er sein Wissen und sein umfangreiches Archiv stets hilfe- und ratsuchenden Forscher*Innen und Student*Innen zur Verfügung stellte.
Er ließ die Gründungsgeschichte des ISK nicht in Vergessenheit geraten. Anlässlich des 50. Symposiums 2017 in Innsbruck hielt er darüber einen Vortrag. Die Gründungsdaten machte er dingfest indem er eine Plakette mit symbolischen Darstellungen von Keramikprodukten und den Namen der vier Gründungsväter des IHS anfertigen ließ. Diese überreichte er dem Organisator der 50. Tagung in Innsbruck, Univ.-Prof. Dr. Harald Stadler, Universität Innsbruck. Die Plakette war von Adelheid Helm, Goldschmiedemeisterin in München entworfen und gestaltet worden. Ihre und Paul Stiebers gemeinsame Tochter Anna Helm, Atelier für Gestaltung Halle an der Saale, hatten das Behältnis, in dem die an einer Kette montierte Plakette aufbewahrt wird, geschaffen. Die Plakette sollte – so lautete der Vorschlag von Hermann Steininger – in Zukunft das Symposion begleiten und vom jeweiligen Organisator während der Tagung getragen werden.
Auch nach seiner Pensionierung war er häufig als Leser in Fachbibliotheken anzutreffen, immer voller Ideen und Impulse für die Keramikforschung. Wir werden den geduldigen, bescheidenen und immer Ruhe und Zuversicht ausstrahlenden Fachkollegen in ehrenvoller Erinnerung behalten.
Claudia Peschel-Wacha, Kuratorin am Volkskundemuseum Wien i. R.
