Objekt des Monats April 2026

Vase mit Schlickerdekor der Keramik AG Velten 1920er Jahre

Maße: H: 18 cm, Ø: 10 cm Material und Technik: Ton, hellbrauner Scherben, frei gedreht, farbiges Schlickerdekor und transparente Glasur

Ankauf durch unseren Förderverein für die Sammlung im Januar 2026

Unaufgeregt schlicht, ja beinahe bäuerlich naiv, könnte man behaupten, wirkt unser Objekt des Monats April. Die braune Vase mit dem hellgrünen Schlickerdekor, welches Blätterranken andeutet, erkennen Liebhaber als ein doch typisches Objekt früher Veltener Gefäßkeramik, die zu Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts in der Ofenstadt hergestellt wurde. In den Ofenfabriken selbst oder durch Keramiker, welche die Räume und Ressourcen der Kachelofenindustrie nutzten, entwickelte sich eine gebrauchskeramische Industrie. Dazu gehören auch weniger bekannte Marken wie Keramische Handwerkskunst Velten, Märkische Kunst- und Bauern-Töpferei Hermsdorf (Bräuning) und eben die Keramik A.G, welche solche Schlicker- und Engobendekore verwendeten.

Mit dem Objekt des Monats April also schreiten wir weiter auf den Pfaden durch die wechselvolle Geschichte der Ofenstadt. Besitzverhältnisse wie Produktpaletten der Fabriken waren durchaus Veränderungen unterworfen. Zu Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts arrangierten Zusammenschlüsse die Veltener Betriebslandschaft neu, auch um Absatzkrisen zu begegnen.

Die 1920 entstandene Keramik A.G. Velten ist auch ein Beispiel dafür. Zum Betrieb mit Adresse in der Breiten Str. 53 und Fabrikgebäuden in der Mühlenstraße gehörte zusätzlich zur Wandplatten- und Ofenproduktion ab 1921 auch eine Abteilung Kunsttöpferei. Die Fusion mit der Union AG 1922 vergrößerte den Betrieb, der bald Teil der Richard Blumenfeld AG wurde. Auf diesem Weg gelangten übrigens auch Kachelmotive, die der Bildhauer Hans Lehmann-Borges für den „Meister der Glasur“ Richard Mutz entworfen hatte, letztlich in die Kachelkataloge der VELTAG.

Keramiken mit den Markenbuchstaben K.A.G wie die Vase des Monats wurden offenbar bis zu Beginn der 1930er Jahre parallel zu Ofenkacheln und Platten produziert. Laut einer Preisliste im Archiv der Museen Velten kostete eine Vase mit Engobe je nach Größe zwischen 30 Pfenning und 25 Mark. Das nicht nur optische, sondern auch haptisch markante Dekor besitzt hohen Wiedererkennungswert und transportiert Veltener Geschichte. Diese war nicht nur geradliniger Erfolg der Ofenindustrie, jedoch immer lebendig und spannend.