Objekt des Monats März 2026
Kerzenleuchter der Keramikerin Hedwig Koch-Becker
Maße: H x B x T 13,3 cm x 11,3 cm x 5 cm
Material und Technik: Ton, schwarzer Scherben, gegossen, orangerot und braun glasiert
Teil des Altbestandes der Sammlung. Inventarnummer 006/0269
Mit dem Objekt des Monats März setzen wir unseren Weg durch die Ofenstadt und ihre Geschichte, die immer auch Keramikgeschichte ist, fort. Die Hedwig Koch-Becker-Straße kreuzt in Velten Süd die Hermann-Aurel-Zieger-Straße. Doch wer war diese Frau, und was verbindet sie mit dem keramischen, kulturellen Erbe des Ortes?
Ein Blick in die Sammlung des Ofen- und Keramikmuseums sowie das Zeitschriftenarchiv gibt Antworten auf diese Fragen und vermittelt etwas von der Bedeutung Koch-Beckers sowie ihrem vielseitigen Leben. Unter ihren vielfältigen Objekten in unserem Depot ist auch dieser einarmige gebogene Kerzenleuchter. Er bricht mit der bei Leuchtern üblichen starren Geradlinigkeit, wirkt verspielt und wie aus Bauelementen (Fuß, Bogenarm, Kerzennapf, Kragenrand) zusammengesetzt. Dennoch bleibt dank des Konstruktionsprinzips eine formale Ruhe.
Die uranorange-rote Glasur ebenso wie die dunklen „Äderchen“ sind alles andere als unauffällig, ja ziehen den Blick regelrecht an. Die Gestaltung greift außerdem visuell und metaphorisch das flackernde Feuer der Kerze auf. Diese optische und formale Prägnanz kennzeichnet auch Koch-Beckers weitere Objekte in unserer Sammlung, die nach der Sanierung auch wieder öffentlich gezeigt werden.
Hedwig Koch-Becker ist primär als Bildhauerin ausgebildet, hat sich aber zugleich keramische und chemisch-technische Kenntnisse angeeignet. Otto Riedrich beschreibt 1930 in der Keramischen Rundschau ihren Weg als ein nicht geradliniges Streben nach der „vollen Entfaltung [ihrer] künstlerischen Persönlichkeit“ mit vielen Wohnortswechseln. In Greifswald hat sie erstmalig eine eigene keramische Werkstatt mit Brennofen. Nach Station in Jena kommt sie nach Berlin und arbeitet 1923 zunächst in der Richard Blumenfeld AG Velten, wo sie nach dem Tagwerk eigene Arbeiten erschafft. Unterstützt von Gustav Gericke, erhält sie die Möglichkeit, von 1924 bis 1927 in der Fabrik von Carl Sensse zu arbeiten, nutzt die weiße Ofenglasur und stellt selbst farbige Glasuren her. Es beginnt eine kreative und produktive Phase. Riedrich ist in der Beschreibung ihrer Formen und Glasuren voll des Lobes, spielt sie doch mit den Möglichkeiten des Materials, widmet sich auch Porzellantonen. Sie lehrt an der Handwerker- und Kunstgewerbeschule in Berlin sowie für die Montessori-Gesellschaft. Ihre Arbeiten werden u.a. in der Ausstellung Handwerkliche Keramik 1924 in Berlin und der Werkbundausstellung Stuttgart 1924, 1925 in der Ausstellung Märkische Keramik im Berliner Kunstgewerbemuseum sowie Anfang der 1930er Jahre auf der Frühjahrsmesse in Leipzig gezeigt. Geboren 1882, ist leider nicht genau bekannt, wann sie verstarb.
Ihr Weg und ihre in der Fachwelt gepriesenen, einfallsreichen Arbeiten sind verknüpft mit Velten, dem Ort, der ihr die Möglichkeiten und Ressourcen für die Entwicklung als Keramikerin bot.



