Objekt des Monats September 2026

kleiner Teller/Untersetzer von Rudolf Lohlein (*1904 – †1970)

Maße: H 1 cm | Ø 10,5 cm
Material und Technik: Fayence, frei gedreht, polychrom

Ankauf durch unseren Förderverein Ofen- und Keramikmuseen Velten e.V. für die Sammlung im Januar

Mit dem Objekt des Monats September blicken wir wieder etwas genauer in die Geschichte des Ortes Velten, wo vor allem im frühen zwanzigsten Jahrhundert über die Kachelofenindustrie hinaus ein Zentrum der keramischen Handwerkskunst, der gebrauchskeramischen Industrie und der Baukeramik entstand. Die rasant gewachsene Kachelindustrie mit den entsprechenden Ressourcen und der Infrastruktur, die Nähe zu Berlin und selbstverständlich die lokalen Tonvorkommen boten dafür günstige Rahmenbedingungen. Es siedelten sich in unmittelbarer Nähe zu den Ofenfabriken auch Töpfer an, die eigenständig oder mit einem kleineren Betrieb arbeiteten.

Ein solcher Betrieb war die Rula Werkstätte für Kunstkeramik des Töpfers Rudolf Lohlein in der Wilhelmstraße 29. In der ehemaligen Ofenfabrik W. Kersten & Co. gründete Lohlein 1927 seinen kleinen Betrieb und führte diesen bis zur Enteignung im Jahr 1951.

Hier fertigte er freigedrehte Gebrauchskeramiken, Tierplastiken und Figuren, kunstvoll durchbrochene Gefäße. Er nutzte eine Mischung aus Veltener Ton und rotem Meißner Ton, arbeitet vorrangig mit der Fayencetechnik, wobei das Rötliche auch durch die Glasur schimmerte.  

Lohlein arbeitete mit den Ofenfabriken vor Ort zusammen, brannte seine Keramiken bei Carl Krause in der Viktoriastraße. Auch zum damaligen Ofenmuseum gab es offenbar eine enge Verbindung, denn viele Ofenmodelle und -miniaturen in der Altsammlung tragen seine Signatur „RL.“ Ebenso stammt ein Teller mit Reliefmotiv zum 25. Jubiläum des Museums im Jahr 1930 in unserer Sammlung von ihm. 

Der kleine Teller zieht vor allem mit seinen leuchtenden Farben den Blick auf sich. Das Dekor wiederholt ja lediglich die Kreisform des Objekts. Als schlichte Gebrauchskeramik fällt er nicht sonderlich auf, lohnt aber den zweiten oder dritten Blick, öffnet er doch ein Fenster in die facettenreiche Veltener (Keramik-)Geschichte.