Objekt des Monats Oktober 2026
rechteckige Deckeldose entworfen von Frauke Gerhard (*1941) für die HB Werkstätten Marwitz
Maße: H 6,5 cm | B 7,0 cm | T 10,0 cm
Material und Technik: Fayence, handbemalt, gegossen, heller Scherben
Unser Objekt des Monats Oktober ist eine von unterschiedlichen Deckeldosen aus der Serienproduktion der HB Werkstätten Marwitz. Form- und Dekorentwurf stammen von Frauke Gerhard, einer herausragenden Keramikerin des Landes Brandenburg, deren Biografie und Werk eng verbunden sind mit der Keramikgeschichte Veltens und den HB Werkstätten Marwitz. Ihr widmen die Ofen- und Keramikmuseen Velten die aktuelle Retrospektive, welche im Oktober dieses Jahres anlässlich ihres Geburtstags eröffnet. Mit diesem Objekt gratulieren wir ihr herzlichst zum Ehrentag und blicken zurück.
Gerhard zählt zu den Keramikerinnen der Region Oberhavel, welche das künstlerische und kunsthandwerkliche Keramische Schaffen der DDR miterlebt und mitgeprägt haben. Ihre facettenreichen, vielgestaltigen Keramiken erlauben Seitenblicke auf die DDR-Keramikgeschichte, zeugen aber vor allem auch vom handwerklichen Können, der Präzision und dem ideenreichen Schöpfungsdrang Frauke Gerhards. Von den Objekten, welche im kommenden Halbjahr in der Sonderausstellung gezeigt werden, gleicht keines dem anderen. Formen und Dekorideen wiederholt sie immer in Varianten.
Das Dosengefäß als Grundthema zu variieren, dazu hatte sie mehrfach Gelegenheit. Der Staatliche Kunsthandel der DDR beauftragte sie 1978/1979, Kerzenleuchter und Dosen zu entwickeln für die Serie der Werkstatt für Keramik Velten, der ehemaligen Töpferei Grothe. In eben dieser Werkstatt hatte sie von 1958 bis 1961 das Töpferhandwerk und vor allem präzises Drehen erlernt. Sie fertigte in der erst gegründeten eigenen Werkstatt in Hohen Neuendorf Prototypen, von denen nur ausgewählte dann übernommen wurden. Ihre sehr detailreichen Dekore wurden in Velten vereinfacht und abgewandelt.
Nahezu zeitgleich, sie arbeitete noch bei Hedwig Bollhagen in Marwitz, entwickelte sie kleine Dosen, detailliert handbemalt und glasiert. Der Einfluss der HB-Werkstätten und ihrer Dekorästhetik ist erkennbar. Zarte Pflanzenmotive und geometrische Wiederholungen, die miteinander verwachsen scheinen, erinnern auch an Charles Crodel. Dem Maler und Grafiker, der die feinen HB-Dekore beeinflusste und das sogenannte „Bienchendekor“ entwickelte, begegnete Frauke Gerhard in ihrer Zeit von 1961 bis 1978 bei HB in Marwitz persönlich.
Auch das Objekt des Monats ist charakteristisch bemalt. Beim Öffnen überraschen innen zwei kleine Blüten ohne weiteres Dekor. Diese Dose sowie zwei weitere Varianten erhielten 1981 auf der Leipziger Messe den Preis „Gute Form“. In abgewandelter Form gingen die Dosen dann bei HB in die Serienproduktion.
Solche und viele weitere Keramik-Geschichten erzählt die Retrospektive Frauke Gerhard Keramik, welche am Samstag, dem 10. Oktober eröffnet, mit mehr als 100 enorm facettenreichen Keramiken aus über sechzig Schaffensjahren.



